In der Klinik wird die Herzfrequenzvariabilität (HRV) mit einem EKG EKG Eine Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens mit Elektroden auf der Haut. RR-Intervalle aus dem EKG sind die Referenzmethode für die Messung der HRV. Mehr zu EKG gemessen, der Aufzeichnung des elektrischen Signals des Herzens. Ein kurzer Test dauert etwa 5 Minuten in Ruhe; manchmal folgen Aufstehen, eine Kipptischuntersuchung oder tiefes Atmen. Ein Langzeit-EKG (Holter) zeichnet 24 Stunden oder länger jeden Schlag auf, während Sie Ihren Tag verbringen. In beiden Fällen prüft eine Fachkraft die Schläge, bevor eine HRV-Zahl berechnet wird, und eine Ärztin oder ein Arzt beurteilt das Ergebnis zusammen mit allem anderen, was sie oder er über Sie weiß.
Das EKG: die Referenz, an der jeder andere Sensor gemessen wird
Jeder Herzschlag beginnt mit einem elektrischen Impuls des Sinusknotens, des natürlichen Schrittmachers des Herzens. Elektroden auf der Haut nehmen diesen Impuls auf, während er sich durch den Herzmuskel ausbreitet, und das EKG stellt ihn als Welle dar. Der höchste Teil jedes Schlags, die R-Zacke, steigt und fällt innerhalb weniger Hundertstelsekunden, sodass die Software sie zeitlich sehr genau festlegen kann. Der Abstand von einer R-Zacke zur nächsten ist das RR-Intervall RR-Intervall Die Zeit von einem Herzschlag zum nächsten, gemessen in Millisekunden zwischen den R-Zacken eines EKG. Die HRV wird aus einer Folge dieser Intervalle berechnet. Mehr zu RR-Intervall . Werden nur Schläge behalten, die im Sinusknoten Sinusknoten Der natürliche Schrittmacher des Herzens, eine kleine Zellgruppe, die jeden normalen Herzschlag auslöst. Sich selbst überlassen, gibt er etwa 100 Impulse pro Minute ab; in Ruhe bremst ihn der Vagusnerv. Mehr zu Sinusknoten begonnen haben, heißen die Abstände NN-Intervalle NN-Intervall Ein RR-Intervall zwischen zwei normalen Herzschlägen in Millisekunden, das nach dem Entfernen von Extrasystolen und Messfehlern übrig bleibt. Die meisten HRV-Messgrößen werden aus NN-Intervallen berechnet. Mehr zu NN-Intervall , und jeder Standardparameter der HRV wird aus ihnen berechnet (Task Force, 1996).
Wie genau ein Schlag zeitlich erfasst wird, hängt auch davon ab, wie oft das Aufzeichnungsgerät das Signal abtastet. Die Standards von 1996 nennen 250 bis 500 Abtastungen pro Sekunde, „oder vielleicht sogar mehr“, als optimalen Bereich. Eine niedrigere Rate, nie unter 100 pro Sekunde, „arbeitet möglicherweise nur dann zufriedenstellend, wenn“ die Software zwischen den Abtastwerten interpoliert, um die Lage der R-Zacke zu verfeinern (Task Force, 1996). Spätere Übersichtsarbeiten ergänzen, dass 500 Abtastungen pro Sekunde nötig sein können, wenn die Atemschwankung der Herzfrequenz klein ist, während 125 bis 200 genügen können, wenn sie normal ist (Shaffer und Ginsberg, 2017). Die Lektion Von der Elektrode zur Zahl rechnet das durch.
Kurze HRV-Tests in der Klinik
Das 12-Kanal-EKG ist zu kurz
Das EKG, das die meisten Menschen schon hatten, ist das 12-Kanal-Ruhe-EKG: zehn Elektroden, einige Minuten auf der Liege und ein Ausdruck, der etwa 10 Sekunden Herzschläge erfasst (Steinberg u. a., 2017). Es soll die Form jedes Schlags aus zwölf Blickwinkeln zeigen; genau das braucht die Ärztin oder der Arzt, um Rhythmus- und Erregungsleitungsstörungen oder Zeichen einer Herzschädigung festzustellen. Zehn Sekunden sind weit kürzer als die 5 Minuten, die die HRV-Standards verlangen; ein routinemäßiges 12-Kanal-EKG ist daher kein HRV-Test.
Der 5-Minuten-Standard
Für kurze Aufzeichnungen verlangte die Task Force 5 Minuten „unter physiologisch stabilen Bedingungen“, zum Beispiel ruhig liegend und normal atmend, ohne dass sich während der Aufzeichnung etwas ändert. Ihre beiden Standardformate sind diese 5-Minuten-Aufzeichnung, die vor allem mit Frequenzverfahren wie der LF- und der HF-Leistung HF-Leistung Die Varianz der Herzschlagabstände im Frequenzband von 0,15 bis 0,40 Hz, in ms²: dem Bereich der normalen Atmung. Bei einer Atmung von 9 bis 24 Atemzügen pro Minute spiegelt sie vor allem die Vagusaktivität wider. Mehr zu HF-Leistung ausgewertet wird, und eine nominell 24-stündige Aufzeichnung, die vor allem mit Zeitverfahren wie dem SDNN SDNN Die Standardabweichung aller NN-Intervalle einer Aufzeichnung, in Millisekunden. Sie misst die Gesamtvariabilität, und ihr Wert hängt stark von der Dauer der Aufzeichnung ab. Mehr zu SDNN ausgewertet wird (Task Force, 1996). Shaffer und Ginsberg nennen 5 Minuten den üblichen Kurzzeitstandard und betonen, dass sich Kurzzeit- und 24-Stunden-Werte nicht austauschen lassen, auch wenn sie dieselbe Formel haben (Shaffer und Ginsberg, 2017).
Kippen, Aufstehen und tiefes Atmen
Manche Kliniken gehen einen Schritt weiter und fordern das Nervensystem gezielt heraus. Bei der Kipptischuntersuchung liegt man angeschnallt auf einer Liege, die fast bis in die Senkrechte aufgerichtet wird. Bei gesunden Menschen sinkt in dieser Position die Gesamtvariabilität, und der langsamere LF-Rhythmus nimmt einen größeren Anteil am Spektrum ein (Task Force, 1996).
Die bekannteste Reihe von Tests am Krankenbett stammt von David Ewing und seiner Arbeitsgruppe. Über zehn Jahre wandten sie fünf einfache, nicht invasive Reflextests bei 774 Menschen mit Diabetes an. Dabei wurden die Tests der Herzfrequenz zuerst auffällig und die Tests des Blutdrucks später. Außerdem zeigte sich, dass ein einzelner Test, die Reaktion der Herzfrequenz auf tiefes Atmen, nicht zeigen konnte, wie weit der Schaden fortgeschritten war; es brauchte die ganze Reihe (Ewing u. a., 1985). Eine systematische Übersichtsarbeit von 2026 nennt die fünf: das Valsalva-Manöver (Pressen gegen verschlossene Atemwege), die Veränderung der Herzfrequenz bei tiefem Atmen mit sechs Atemzügen pro Minute, die Reaktion der Herzfrequenz beim Aufstehen (das 30:15-Verhältnis), die Reaktion des Blutdrucks beim Aufstehen und ein anhaltender kräftiger Faustschluss, der Handgrip-Test (Barkoula u. a., 2026). Die ersten drei prüfen die vagale Bremse des Herzens, die letzten beiden den Sympathikus Sympathikus Der „Kampf-oder-Flucht“-Zweig des autonomen Nervensystems. Er beschleunigt das Herz und lässt es kräftiger pumpen, wirkt aber zu langsam, um die schnellen Schwankungen der HRV von Schlag zu Schlag zu steuern. Mehr zu Sympathikus . Ein Konsensusgremium zum Diabetes stützt seine Kriterien für Nervenschäden am Herzen vor allem auf die Tests der Herzfrequenz (Spallone u. a., 2011).
Diese Tests nutzen kurze EKG-Abschnitte und einige einfache Verhältnisse. Die Normalwerte ändern sich mit Alter und Geschlecht, und die Übersichtsarbeit von 2026 empfiehlt, dass jedes Labor eigene festlegt (Barkoula u. a., 2026). Eine Messung zu Hause kann sie nicht ersetzen.
Das 24-Stunden-Langzeit-EKG
Wie es getragen wird
1961 beschrieb Norman Holter einen tragbaren „Elektrokardiokorder“, der das Herz über lange Zeit ununterbrochen aufzeichnete, und dazu Verfahren, um die große Datenmenge auszuwerten (Holter, 1961). Die heutige Version ist ein kleines Aufzeichnungsgerät, das am Gürtel oder an einem Umhängeband getragen und über Kabel mit mehreren Klebeelektroden auf der Brust verbunden ist. Sie tragen es zu Hause und bei der Arbeit, führen ein Tagebuch darüber, was Sie tun und wie Sie sich fühlen, und drücken bei Beschwerden eine Taste am Gerät (Steinberg u. a., 2017). Übliche Aufzeichnungen dauern 24 bis 48 Stunden, und einige neuere Geräte können bis zu 30 Tage laufen. Langzeit-EKGs zeichnen 3 bis 12 Ableitungen auf, und der Konsens empfiehlt 12 Ableitungen, wenn die Form der Schläge wichtig ist, zum Beispiel um vorzeitige Schläge einzuordnen (Steinberg u. a., 2017).
- Klebeelektroden auf der Brust nehmen das elektrische Signal des Herzens auf
- Das Aufzeichnungsgerät, am Gürtel oder an einem Band getragen, speichert 24 Stunden lang oder länger jeden Schlag
- Die R-Zacke: die scharfe Spitze jedes Schlags, die die Software zeitlich bestimmt
- Das RR-Intervall: der Abstand von einer R-Zacke zur nächsten
Zwei Zeichnungen. Die erste ist der Umriss eines menschlichen Oberkörpers mit fünf runden Elektroden auf der Brust: zwei knapp unter den Schlüsselbeinen, eine auf dem Brustbein und zwei an den unteren Rippen. Dünne Kabel führen von jeder Elektrode zu einem kleinen Kasten am Gürtel auf der linken Körperseite. Die zweite ist ein kurzer EKG-Streifen auf Millimeterpapier mit drei Herzschlägen. Jeder Schlag hat eine kleine Wölbung, eine hohe scharfe Spitze, die R-Zacke, und danach eine runde Welle. Die Abstände zwischen den Spitzen sind mit 0,96 und 1,06 Sekunden markiert, sie sind also nicht gleich.
Warum manche HRV-Parameter 24 Stunden brauchen
Ein Tag enthält Rhythmen, die keine 5-Minuten-Aufzeichnung erfassen kann: Schlafen und Wachen, Mahlzeiten, Aktivität und Ruhe. Mehrere Parameter gibt es nur, um sie zu beschreiben (Task Force, 1996; Shaffer und Ginsberg, 2017):
- Der SDNN über 24 Stunden erfasst Veränderungen jeder Geschwindigkeit, von den Schwankungen von Atemzug zu Atemzug bis zum Tag-Nacht-Rhythmus Zirkadianer Rhythmus Die 24-Stunden-Uhr des Körpers. Nachts ist die Herzfrequenz niedriger und die vagale HRV höher als tagsüber, deshalb sind Messungen nur vergleichbar, wenn sie zur selben Tageszeit gemessen werden. Mehr zu Zirkadianer Rhythmus . Shaffer und Ginsberg bezeichnen den 24-Stunden-SDNN als Goldstandard zur Abschätzung des kardialen Risikos.
- Der SDANN mittelt zuerst jeden 5-Minuten-Block des Tages und misst dann, wie stark diese 288 Mittelwerte schwanken. Er behält nur die langsamen Veränderungen.
- Der SDNN-Index ist die andere Hälfte: der Mittelwert der 288 SDNN-Werte der fünfminütigen Blöcke, der die schnellere Variation innerhalb jedes Blocks behält.
- Der HRV-Triangularindex wird aus einem Histogramm aller Intervalle gebildet. Die Task Force verlangt für diese Art geometrischer Parameter mindestens 20 Minuten, am besten 24 Stunden.
- Die ULF-Leistung, das langsamste Band des Spektrums unterhalb von 0,003 Hz, braucht mindestens 24 Stunden (Shaffer und Ginsberg, 2017).
Die klassischen Befunde nach einem Herzinfarkt
Das heutige klinische Interesse an der HRV begann mit Langzeit-EKG-Aufzeichnungen. 1987 werteten Kleiger und seine Arbeitsgruppe 24-Stunden-Aufzeichnungen aus, die etwa 11 Tage nach einem Herzinfarkt bei 808 Überlebenden gemacht worden waren, und verfolgten ihren weiteren Verlauf im Durchschnitt 31 Monate lang. Von allen Parametern des Langzeit-EKGs hatte der SDNN den stärksten Zusammenhang mit der Sterblichkeit: Das Risiko war bei Menschen mit einem SDNN unter 50 ms 5,3-mal so hoch wie bei solchen über 100 ms, und der Zusammenhang blieb bestehen, nachdem man die Pumpkraft des Herzens und andere bekannte Risikofaktoren berücksichtigt hatte (Kleiger u. a., 1987).
Es folgten weitere Studien. Bei 715 Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt war die ULF-Leistung ULF-Leistung Die Varianz der Herzschlagintervalle unterhalb von 0,003 Hz, in ms²: Rhythmen, die langsamer sind als ein Zyklus alle 5 Minuten, darunter der Tag-Nacht-Wechsel. Messbar nur aus einer 24-Stunden-Messung. Mehr zu ULF-Leistung der stärkste einzelne spektrale Prädiktor für Todesfälle innerhalb von vier Jahren (Bigger u. a., 1992). In ATRAMI erhielten 1.284 Patientinnen und Patienten mit kürzlichem Herzinfarkt ein 24-Stunden-Langzeit-EKG, und ein SDNN unter 70 ms bedeutete nach Berücksichtigung anderer Faktoren ein 3,2-fach erhöhtes Risiko eines Herztodes (La Rovere u. a., 1998). Die Task Force folgerte, dass ein SDNN unter 50 ms oder ein Triangularindex HRV-Triangularindex Die Zahl der NN-Intervalle einer Aufzeichnung, geteilt durch die Höhe der höchsten Säule ihres Histogramms. Ein einheitenloses geometrisches Maß der Gesamtvariabilität, auf das einige fehlerhafte Schläge kaum Einfluss haben. Mehr zu HRV-Triangularindex unter 15 eine stark verminderte HRV kennzeichnet, und empfahl 24-Stunden-Aufzeichnungen für Risikostudien nach einem Herzinfarkt (Task Force, 1996).
Die Software für das Langzeit-EKG kann auch zwei neuere Parameter ausgeben: die Herzfrequenzturbulenz, die Beschleunigung und Verlangsamung nach einem vorzeitigen Schlag, die den Baroreflex Baroreflex Der Reflex, der den Blutdruck von Schlag zu Schlag stabilisiert, indem er die Herzfrequenz ändert. Durch seine eingebaute Verzögerung steigt und fällt die Herzfrequenz etwa alle 10 Sekunden: der 0,1-Hz-Rhythmus in der LF-Leistung. Mehr zu Baroreflex widerspiegelt (Bauer u. a., 2008), und die Dezelerationskapazität, die die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt besser vorhersagte als der SDNN oder die Pumpkraft des Herzens (Bauer u. a., 2006). Neuere mathematische Verfahren hatten als klinische Werkzeuge bisher einen „eher begrenzten“ Erfolg (Sassi u. a., 2015).
Alle diese Zahlen beschreiben das Risiko in Gruppen von Patientinnen und Patienten. Sie waren nie dafür gedacht, gesunde Menschen einzuordnen, und ein einzelner Wert sagt nicht voraus, was mit einer einzelnen Person geschehen wird.
Wie sich ein Langzeit-EKG von einem Wearable unterscheidet
Ein Brustgurt, eine Uhr und ein Langzeit-EKG listen alle die Zeit zwischen den Schlägen auf, doch die Arbeit hinter der Liste ist eine andere.
- Ableitungen. Ein Langzeit-EKG zeichnet 3 bis 12 Ableitungen auf (Steinberg u. a., 2017). Ein Gurt zeichnet eine auf (siehe Wie Brustgurte die HRV messen), und eine Uhr misst stattdessen meist die Pulswelle mit Licht (siehe PPG: Wie Ihre Uhr Ihren Puls liest). Wie viel Genauigkeit das kostet und bei welchen Parametern, behandelt Was PPG mit HRV-Zahlen macht.
- Schlagmarkierungen. Die Software für das Langzeit-EKG erkennt jeden QRS-Komplex und ordnet ihn nach seiner Form als normal, vorzeitig und so weiter ein (Peltola, 2012). Mehrere Ableitungen geben ihr mehr als eine Sicht auf jeden Schlag.
- Ein Mensch prüft die Schläge. Die Task Force verlangt, dass die Schlagmarkierungen „nach einem sehr hohen Standard“ bearbeitet werden, mit visuellen Kontrollen und manuellen Korrekturen, und warnt, dass automatische Filter, etwa das Verwerfen jedes Intervalls, das mehr als 20 % vom vorigen abweicht, „die manuelle Bearbeitung nicht ersetzen sollten“ (Task Force, 1996). Peltolas Übersichtsarbeit betont, dass verlässliche Daten eine erfahrene Fachkraft für die Auswertung des Langzeit-EKGs brauchen (Peltola, 2012). Eine Verbraucher-App verlässt sich auf automatische Filter, und meist sieht niemand die Aufzeichnung an.
- Wer auswertet. Der Befund wird von einer Ärztin oder einem Arzt geprüft und gedeutet (Steinberg u. a., 2017). Ein Wearable zeigt Ihnen eine Zahl und eine Farbe.
Was ein Befund zum Langzeit-EKG oder zur HRV zeigt
Befunde unterscheiden sich zwischen Softwareherstellern und Kliniken, und viele Langzeit-EKGs werden angeordnet, um Herzrhythmusstörungen zu suchen; ihre Befunde enthalten die HRV also womöglich gar nicht. Wenn die HRV enthalten ist, sehen Sie wahrscheinlich diese Teile. Es geht hier darum, dass Sie nachvollziehen können, was auf dem Blatt steht; was es für Sie bedeutet, ist eine Frage an die Ärztin oder den Arzt, die oder der die Untersuchung angeordnet hat.
- Die Zusammenfassung. Gesamtdauer der Aufzeichnung, Zahl der Schläge sowie niedrigste, durchschnittliche und höchste Herzfrequenz.
- Die Rhythmusbefunde. Zahl der vorzeitigen Schläge aus den Vorhöfen (oft als SVES Extrasystole Ein Herzschlag, der nicht vom normalen natürlichen Schrittmacher des Herzens ausgeht und meist zu früh kommt. Extrasystolen sind häufig, verzerren die HRV aber, wenn man sie nicht entfernt oder korrigiert. Mehr zu Extrasystole bezeichnet, auf englischen Berichten als PAC oder APB) und aus den Herzkammern (VES, auf englischen Berichten PVC oder VPB), Salven und Pausen sowie die Zeitpunkte, zu denen sie auftraten. Das ist der Hauptgrund, aus dem die meisten Langzeit-EKGs angeordnet werden.
- Die Tabelle im Zeitbereich. SDNN, SDANN SDANN Die Standardabweichung des mittleren NN-Intervalls jedes 5-Minuten-Abschnitts einer 24-Stunden-Messung, in Millisekunden. Sie misst die langsamen Veränderungen über einen Tag und blendet alles Schnellere aus. Mehr zu SDANN , SDNN-Index SDNN-Index Der Mittelwert des SDNN aller 5-Minuten-Abschnitte einer 24-Stunden-Aufzeichnung, in Millisekunden. Er erfasst die Variabilität innerhalb jedes Abschnitts und lässt die langsame Drift zwischen den Abschnitten weg. Mehr zu SDNN-Index , RMSSD RMSSD Quadratwurzel aus dem Mittelwert der quadrierten Differenzen aufeinanderfolgender Intervalle: eine HRV-Messgröße in ms, die zeigt, wie stark sich jeder Herzschlagabstand vom nächsten unterscheidet. Spiegelt vor allem die Vagusaktivität wider. Mehr zu RMSSD , pNN50 pNN50 Der Anteil benachbarter NN-Intervalle, die sich um mehr als 50 Millisekunden unterscheiden. Er bildet wie der RMSSD schnelle, vagal bestimmte Veränderungen ab, aber als Anteil und nicht als Größe. Mehr zu pNN50 und der Triangularindex, meist für die gesamte Aufzeichnung, manchmal getrennt für Tag und Nacht.
- Die Tabelle im Frequenzbereich. ULF-, VLF-, LF- und HF-Leistung in ms², oft auch LF LF-Leistung Varianz der Herzschlagabstände im Band 0,04 bis 0,15 Hz, in ms²: Rhythmen, die sich alle 7 bis 25 Sekunden wiederholen. Früher als Sympathikus-Maß gedeutet, heute umstritten. Mehr zu LF-Leistung und HF in normierten Einheiten oder als Verhältnis.
- Der Stundenverlauf. Herzfrequenz und ein oder zwei HRV-Parameter für jede Stunde. Bei gesunden Menschen verschiebt sich das Spektrum im Tagesverlauf, wobei der atmungsbezogene HF-Anteil nachts größer und der LF-Anteil tagsüber größer ist (Task Force, 1996).
- Die Tagebucheinträge und Tastendrücke, jeweils dem passenden Abschnitt der Aufzeichnung zugeordnet.
Drei Vorbehalte. Die Zahlen stammen aus einer 24-Stunden-Aufzeichnung; sie lassen sich daher nicht mit einem Wert von einem Ring oder Gurt oder mit 5-Minuten-Normwerten vergleichen (Shaffer und Ginsberg, 2017). Die veröffentlichten Grenzwerte wurden bei Herzpatientinnen und -patienten festgelegt, meist nach einem Herzinfarkt, und lassen sich daher nicht in ein Urteil für andere Menschen übertragen. Und ein Wert hängt davon ab, was an dem Tag geschah, auch von den Medikamenten, die Sie genommen haben, und davon, wie viel der Aufzeichnung verwertbar war. Besprechen Sie Ihre Fragen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; Kann die HRV Herzprobleme erkennen? erklärt, was die HRV allein sagen kann und was nicht.
Patch-Monitore und Eventrekorder
Ein Patch-Monitor ist ein Klebestreifen, der auf der linken Brustseite getragen wird, mit eingebauten Elektroden und ohne Kabel. Er zeichnet eine oder zwei Ableitungen auf und kann bis zu zwei Wochen aufgeklebt bleiben, auch unter der Dusche (Steinberg u. a., 2017). Bei 146 Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig ein 24-Stunden-Langzeit-EKG und einen 14-Tage-Patch trugen, erfasste der Patch in seinen 14 Tagen 96 Rhythmusereignisse gegenüber 61 beim Langzeit-EKG in seinen 24 Stunden (Barrett u. a., 2014).
Eventrekorder erfassen nur kurze Abschnitte. Manche werden nicht ständig getragen und beim Beginn von Beschwerden eingeschaltet. Loop-Rekorder speichern das EKG fortlaufend in einem Ringspeicher. Wenn Sie die Taste drücken oder das Gerät einen auffälligen Rhythmus erfasst, können sie so die Momente davor und danach sichern (Steinberg u. a., 2017). Sie sind dafür gebaut, seltene Beschwerden zu erfassen. Mit ihren kurzen Abschnitten lässt sich keine 24-Stunden-HRV berechnen, und Patch-Monitore mit einer oder zwei Ableitungen und einer Verarbeitung, die für den Rhythmus ausgelegt ist, sind etwas anderes als die Langzeit-EKGs mit mehreren Ableitungen hinter den klassischen HRV-Studien.
Wenn die klinische HRV wenig aussagt
- Extrasystolen. Ein vorzeitiger Schlag erzeugt ein kurzes Intervall und meist ein langes danach. Beide müssen gefunden und entfernt oder korrigiert werden, und die Wirkung auf den Blutfluss kann noch die nächsten 10 bis 30 Schläge beeinflussen (Shaffer und Ginsberg, 2017). Eine Aufzeichnung voller Extrasystolen lässt wenig saubere Daten übrig. Siehe Extrasystole.
- Vorhofflimmern. Die Vorhöfe flimmern, statt zu schlagen, die Schläge beginnen nicht mehr im Sinusknoten, und die Abstände zwischen ihnen werden unregelmäßig. Peltola zählt Vorhofflimmern zu den physiologischen Artefakten, die eine HRV-Analyse unmöglich machen können (Peltola, 2012). Die Standardparameter setzen Sinusschläge voraus; bei Vorhofflimmern beschreiben sie daher nicht mehr, wofür sie entwickelt wurden (Task Force, 1996).
- Schrittmacherrhythmus. NN-Intervalle sind per Definition Abstände zwischen Schlägen, die der Sinusknoten ausgelöst hat (Task Force, 1996). Schläge, die ein Herzschrittmacher auslöst, liegen außerhalb dieser Definition; daher verlieren die Standardparameter bei einem Schrittmacherrhythmus ihre übliche Bedeutung.
- Medikamente. Betablocker erhöhen die HRV bei Überlebenden eines Herzinfarkts leicht, und einige Antiarrhythmika senken sie (Task Force, 1996). Forschungsleitlinien nennen herzwirksame Medikamente, darunter einige Antidepressiva, Antipsychotika und Blutdruckmittel, unter den Dingen, die man vor einem Vergleich der HRV erfassen sollte (Laborde u. a., 2017). Ein Befund, der ohne die Medikamentenliste gelesen wird, kann in die Irre führen; mehr dazu unter Beeinflussen Medikamente die HRV?.
Was das für Sie bedeutet
- Wenn Sie ein EKG oder ein Langzeit-EKG hatten, ist die HRV möglicherweise Teil des Befunds, möglicherweise nicht. Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt, die oder der es angeordnet hat, wozu es diente und was es zeigte.
- Ein 24-Stunden-SDNN, ein 5-Minuten-Wert aus der Klinik und ein morgendlicher RMSSD von einem Gurt sind drei verschiedene Zahlen. Führen Sie jede in einem eigenen Verlauf.
- Die berühmten Grenzwerte stammen von Überlebenden eines Herzinfarkts. Sie sind kein Ziel für gesunde Erwachsene und gelten nicht für eine Uhr.
- Für Ihren eigenen Verlauf von Tag zu Tag erfasst ein Brustgurt die Schlagzeitpunkte zu Hause wie ein EKG, und Ringe und Uhren kommen in Ruhe nahe heran (HRV an der Fingerkuppe behandelt Smartphone-Kameras und Ringe). Wie die HRV gemessen wird vergleicht die Möglichkeiten, und Ist die HRV am Handgelenk so genau wie mit dem Brustgurt? betrachtet die Evidenz.