In Ruhe, besonders im Schlaf, kann ein guter Sensor am Handgelenk oder am Finger einem Brustgurt nahekommen, doch der Brustgurt ist weiterhin genauer, und der Abstand wächst, sobald Sie sich bewegen. Ein Brustgurt erfasst das elektrische Signal des Herzens direkt. Ein Sensor am Handgelenk muss jeden Schlag aus dem Puls in der Haut ableiten, und dieses Signal lässt sich leichter stören.
Warum sich die beiden Sensoren unterscheiden
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) wird aus den Abständen zwischen den Herzschlägen berechnet; alles hängt also davon ab, den Zeitpunkt jedes Schlags genau zu bestimmen.
- Ein Brustgurt nimmt das elektrische Signal des Herzens auf, wie ein einfaches EKG EKG Eine Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens mit Elektroden auf der Haut. RR-Intervalle aus dem EKG sind die Referenzmethode für die Messung der HRV. Mehr zu EKG . Jeder Schlag erzeugt eine scharfe Zacke, die sich leicht zeitlich bestimmen lässt.
- Ein Sensor am Handgelenk oder im Ring strahlt Licht in die Haut und misst, wie viel davon zurückkommt, während das Blut pulsiert ( PPG PPG Ein optisches Verfahren: Licht wird in die Haut gestrahlt, und ein Sensor erfasst den Pulsschlag des Blutes bei jedem Herzschlag. Die meisten Uhren, Ringe und Smartphone-Kamera-Apps schätzen so die HRV. Mehr zu PPG ). Die Pulswelle ist runder als die EKG-Zacke; ihr genauer Zeitpunkt lässt sich daher schwerer festlegen.
Der Puls muss außerdem erst vom Herzen zum Handgelenk laufen, bevor der Sensor ihn erfassen kann. Eine Übersichtsarbeit über Studien, die Pulssensoren mit dem EKG verglichen, ergab, dass pulsbasierte Messungen die kurzfristige Variabilität tendenziell leicht überschätzen, was die Autorinnen und Autoren auf das Zusammenspiel von Atmung und Kreislauf zurückführten. Dieselbe Übersichtsarbeit stellte in Ruhe eine gute Genauigkeit fest, doch Bewegung und manche psychischen Belastungen verschlechterten die Übereinstimmung deutlich, oft so stark, dass sie nicht mehr akzeptabel war.
Nicht jeder Wert leidet gleich stark. Fehler beim Timing summieren sich bei Schlag-zu-Schlag-Maßen wie RMSSD RMSSD Quadratwurzel aus dem Mittelwert der quadrierten Differenzen aufeinanderfolgender Intervalle: eine HRV-Messgröße in ms, die zeigt, wie stark sich jeder Herzschlagabstand vom nächsten unterscheidet. Spiegelt vor allem die Vagusaktivität wider. Mehr zu RMSSD und pNN50 pNN50 Der Anteil benachbarter NN-Intervalle, die sich um mehr als 50 Millisekunden unterscheiden. Er bildet wie der RMSSD schnelle, vagal bestimmte Veränderungen ab, aber als Anteil und nicht als Größe. Mehr zu pNN50 , während sich die mittlere Herzfrequenz Mittleres RR-Intervall Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Herzschlägen in einer Aufzeichnung, in Millisekunden. Die Herzfrequenz ist der Kehrwert davon: 60.000 geteilt durch das mittlere RR-Intervall. Mehr zu Mittleres RR-Intervall kaum ändert. Uhr oder Brustgurt? Was PPG mit HRV-Werten macht erklärt das Maß für Maß, mit einer interaktiven Grafik zum Ausprobieren.
Was die Studien zeigen
Im Schlaf
Eine Studie von 2025 begleitete 13 gesunde Erwachsene (Durchschnittsalter 33 Jahre) zu Hause über insgesamt 536 Nächte, mit einem EKG-Brustgurt als Referenz. Beim nächtlichen RMSSD lag der mittlere Fehler der getesteten Ring- und Handgelenksgeräte zwischen 5,96 % (Oura Gen 4) und 16,32 % (Polar Grit X Pro); bei WHOOP 4.0 waren es 8,17 % und bei der Garmin Fenix 6 10,52 %. Nachts lagen also manche optischen Geräte nah am Gurt und andere weiter daneben. Die Studie war klein und umfasste nur gesunde Erwachsene.
Ruhiges Sitzen
Eine Studie von 2021 mit fünf gesunden jungen Erwachsenen verglich in insgesamt 148 Durchgängen mehrere Geräte bei Aufzeichnungen im Sitzen mit einem Mehrkanal-EKG. Ein Brustgurt in Verbindung mit einer Smartphone-App hatte beim RMSSD mit 4,10 % den kleinsten Fehler. Ein Fingerring folgte mit 6,84 %. Ein anderes Brustgurtsystem schnitt mit 11,27 % schlechter ab; es nutzte Aufzeichnungen von drei statt fünf Minuten. Die Autorinnen und Autoren vermuteten, dass die Länge der Aufzeichnung die Genauigkeit stärker beeinflusst habe als die Art des Sensors.
Bei Bewegung und Sport
Hier halten Brustgurte am besten stand. In einer Studie mit 10 gesunden Erwachsenen, die Aktivitäten von leicht bis anstrengend ausübten, erfasste ein Brustgurt insgesamt 99,6 % der Schläge zeitlich richtig und 99,4 % bei intensivem Sport, gemessen an der unbearbeiteten EKG-Kurve. Die Autorinnen und Autoren hielten es für möglich, dass ein einfacher Brustgurt bei hartem Sport als Referenz für den Zeitpunkt der Schläge dienen könnte.
Welchen Sensor sollten Sie nutzen?
- Für den Verlauf über Nacht ist ein Ring oder eine Uhr, die Sie jede Nacht tragen, eine vernünftige Wahl. Vergleichen Sie die Werte nur mit früheren Werten desselben Geräts, und sehen Sie in der Übersicht HRV nach Gerät nach, was jede Marke angibt.
- Für eine Morgenmessung funktioniert beides, wenn Sie stillhalten. Ein Brustgurt kommt dem EKG am nächsten, und eine längere Aufzeichnung hilft.
- Während oder direkt nach dem Sport ist ein Brustgurt die richtige Wahl. Optische Sensoren tun sich mit Bewegung schwer.
- Wenn Sie die Art des Sensors wechseln, rechnen Sie damit, dass sich Ihre Werte verschieben, und sammeln Sie einige Wochen lang neue Daten, bevor Sie vergleichen.
Damit die Messung mit jedem Sensor brauchbar wird: Tragen Sie ihn eng anliegend, halten Sie still und messen Sie jeden Tag zur selben Zeit. Die Übersicht Wie wird HRV gemessen? behandelt die Methoden ausführlicher, und Kann eine Smartphone-Kamera die HRV messen? stellt die günstigste Möglichkeit vor.
Wann Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen sollten
Weder ein Brustgurt für den Sport noch ein Sensor am Handgelenk ist ein medizinisches EKG, und die HRV kann keine Herzerkrankung diagnostizieren. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Herzstolpern, Herzrasen oder einen unregelmäßigen Herzschlag bemerken oder Schwindel, Ohnmachtsanfälle, Brustschmerzen oder Atemnot auftreten.