Herzfrequenzturbulenz
Auch bekannt als Turbulence Onset, Turbulence Slope
Kurze Beschleunigung und langsamere Erholung des Herzrhythmus nach einer ventrikulären Extrasystole, im 24-Stunden-EKG als zwei Zahlen erfasst: Turbulence Onset (%) und Turbulence Slope (ms pro Schlag).
Einheit: % und ms/Schlag
Die Herzfrequenzturbulenz (HRT) ist das kurze Muster, das ein gesunder Herzrhythmus nach einer ventrikulären Extrasystole Extrasystole Ein Herzschlag, der nicht vom normalen natürlichen Schrittmacher des Herzens ausgeht und meist zu früh kommt. Extrasystolen sind häufig, verzerren die HRV aber, wenn man sie nicht entfernt oder korrigiert. Mehr zu Extrasystole (VES) zeigt: eine kurze Beschleunigung über die nächsten zwei Schläge, dann eine langsamere Rückkehr, bei der die Herzfrequenz unter den Ausgangswert sinkt. Sie wird im 24-Stunden-EKG gemessen und als Turbulence Onset (TO) in Prozent und Turbulence Slope (TS) in Millisekunden pro Schlag angegeben.
Warum es diese Messgröße gibt
Eine ventrikuläre Extrasystole ist ein natürliches Experiment am Baroreflex Baroreflex Der Reflex, der den Blutdruck von Schlag zu Schlag stabilisiert, indem er die Herzfrequenz ändert. Durch seine eingebaute Verzögerung steigt und fällt die Herzfrequenz etwa alle 10 Sekunden: der 0,1-Hz-Rhythmus in der LF-Leistung. Mehr zu Baroreflex . Sie kommt zu früh und pumpt wenig Blut; der Blutdruck sinkt deshalb für einen Schlag. Der Baroreflex antwortet, indem er die Vagusbremse kurz lockert (das Herz wird schneller) und sie wieder anzieht, sobald der Blutdruck über das Ziel hinausschießt (das Herz wird langsamer). Das Konsenspapier, das die Arbeitsgruppe um Bauer 2008 für die International Society for Holter and Noninvasive Electrophysiology verfasst hat, beschreibt das Muster als indirekten Test der Baroreflexfunktion: Bei Menschen mit abgeschwächtem Baroreflex ist die Turbulenz gedämpft oder fehlt. Das Papier stuft sie als geeignet ein, um das Risiko nach einem Herzinfarkt und bei Herzinsuffizienz abzuschätzen. Das Positionspapier der Arbeitsgruppe um Sassi (2015) ließ sie in seiner Übersicht weg, weil das Konsenspapier sie bereits behandelte.
Die Formel
Der Turbulence Onset vergleicht die zwei normalen Intervalle nach dem vorzeitigen Schlag und seiner Pause mit den zwei Intervallen davor: Ein negativer Wert bedeutet, dass das Herz schneller wurde. Der Turbulence Slope ist die steilste Steigung einer Regressionsgeraden durch beliebige fünf aufeinanderfolgende Sinusintervalle innerhalb der ersten 15 nach dem vorzeitigen Schlag, in ms pro Intervall, gemessen am gemittelten Muster aller vorzeitigen Schläge der Aufzeichnung. Ein Onset unter 0 % und ein Slope über 2,5 ms pro Intervall gelten als normal; ein abnormer Wert ergibt Kategorie 1, zwei abnorme Werte ergeben Kategorie 2.
Rechenbeispiel
Liniendiagramm mit zwölf Abständen zwischen Herzschlägen. Die ersten zwei liegen bei 880 ms. Der dritte fällt auf 528 ms, das ist der vorzeitige Schlag, und der vierte steigt auf 1232 ms, die Pause danach. Die nächsten zwei Intervalle liegen knapp unter 880 ms, eine kurze Beschleunigung, und die folgenden Intervalle steigen bis auf etwa 915 ms, bevor sie auf 880 ms zurückgehen. Der Turbulence Onset beträgt für dieses Muster -3,5 Prozent.
Im oben gezeichneten Muster ergeben die zwei Intervalle nach der Pause zusammen weniger als die zwei Intervalle vor dem vorzeitigen Schlag. Der Turbulence Onset beträgt deshalb -3,5 %: Das Herz wurde schneller, wie es ein gesunder Baroreflex bewirkt.
Was sie beeinflusst
Die Stärke des Baroreflexes; deshalb wirken sich Alter, Herzerkrankungen, Diabetes und Betablocker auf sie aus. Nötig sind echte ventrikuläre Extrasystolen, die die Filter der Methode für Vorzeitigkeit und Pause bestehen, und ein sauberes 24-Stunden-EKG rund um jeden dieser Schläge.
Wann sie in die Irre führt
Bei Menschen ohne ventrikuläre Extrasystolen lässt sie sich nicht messen (Studien an Menschen nach einem Herzinfarkt ordneten diese Personen der normalen Gruppe zu), ebenso wenig bei Vorhofflimmern. In der Intervallreihe eines Wearables sind vorzeitige Schläge als Artefakte Artefakt Fehler in einer Herzschlagaufzeichnung, etwa ein übersehener, zusätzlicher oder falsch erfasster Schlag, oft durch Bewegung oder schlechten Sensorkontakt. Kann HRV-Werte stark verfälschen. Mehr zu Artefakt entfernt; damit ist auch die Messung verloren. Die Herzfrequenzturbulenz ist ein klinischer Risikomarker und kein Wellness-Wert; diese Seite beschreibt sie nur, damit der Begriff kein Rätsel bleibt.
Wo sie Ihnen begegnet
In Auswertungsprogrammen für das Langzeit-EKG und in der Forschungsliteratur zum Risiko nach einem Herzinfarkt. Kubios HRV gibt sie nicht aus; Wearables zeigen sie nicht. Die Task Force behandelt sie nicht. Nichtlineare HRV-Parameter: Brauche ich sie? ordnet sie ein.
Quellen
- Heart rate turbulence: standards of measurement, physiological interpretation, and clinical use: International Society for Holter and Noninvasive Electrophysiology consensus
- Heart rate turbulence as risk-predictor after myocardial infarction
- Advances in heart rate variability signal analysis: joint position statement by the e-Cardiology ESC Working Group and the European Heart Rhythm Association co-endorsed by the Asia Pacific Heart Rhythm Society