Nicht zuverlässig. Manche Studien finden bei Menschen mit Long COVID eine niedrigere Herzfrequenzvariabilität (HRV), doch die Belege sind vorläufig und uneinheitlich, und die HRV kann weder Long COVID noch POTS diagnostizieren. Ein Wearable kann zeigen, wie sich Ihre eigene Herzfrequenz und HRV im Zeitverlauf verändern, was sich für ein ärztliches Gespräch eignen kann; die Diagnose beruht aber auf Ihren Beschwerden und auf Untersuchungen in der Praxis oder Klinik.
Was Long COVID und POTS sind
Long COVID, das die Weltgesundheitsorganisation Post-COVID-19-Zustand nennt, hat eine Konsensdefinition. Sie gilt für Menschen nach einer wahrscheinlichen oder bestätigten COVID-19-Infektion, wenn in der Regel ab drei Monaten nach Beginn der Infektion Beschwerden bestehen, die mindestens zwei Monate anhalten und sich nicht durch eine andere Diagnose erklären lassen (Soriano u. a., 2022). Häufige Beschwerden sind Erschöpfung, Atemnot und Denkprobleme, und sie können kommen und gehen.
POTS (posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom) ist eine Erkrankung, bei der das Herz im Stehen rast. Ein Expertenkonsens von 2015 definiert es als häufige Beschwerden im Stehen, etwa Benommenheit oder Herzstolpern, mit einem Anstieg der Herzfrequenz um mindestens 30 Schläge pro Minute (40 im Alter von 12 bis 19 Jahren) beim Wechsel vom Liegen zum Stehen und ohne einen Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mmHg (Sheldon u. a., 2015). Erschöpfung und eingeschränkte Belastbarkeit sind ebenfalls häufig. POTS kann nach einer Virusinfektion beginnen (Vernino u. a., 2021).
Keine der beiden Definitionen verwendet die HRV.
Was Studien zur HRV nach COVID-19 zeigen
- Eine Übersichtsarbeit von 2023 umfasste 11 Studien mit 2.197 Personen, die die HRV von Menschen, die sich von COVID-19 erholt hatten oder Long COVID hatten, mit der von Menschen ohne Infektion verglichen (Suh u. a., 2023). Die meisten zeigten nach COVID-19 einen niedrigeren SDNN SDNN Die Standardabweichung aller NN-Intervalle einer Aufzeichnung, in Millisekunden. Sie misst die Gesamtvariabilität, und ihr Wert hängt stark von der Dauer der Aufzeichnung ab. Mehr zu SDNN und eine geringere parasympathische (beruhigende) Aktivität. Alle waren jedoch Momentaufnahmen, ihre Qualität war nicht optimal, und die Autorinnen und Autoren forderten längere Studien.
- Eine Metaanalyse von 2026 fasste 11 Studien mit 593 Menschen mit Post-COVID-19-Zustand und 565 Gesunden zusammen, alle mehr als drei Monate nach der Infektion gemessen (Schoene u. a., 2026). Die HRV war in den Long-COVID-Gruppen tendenziell niedriger, aber keiner der gepoolten Unterschiede bei SDNN, RMSSD RMSSD Quadratwurzel aus dem Mittelwert der quadrierten Differenzen aufeinanderfolgender Intervalle: eine HRV-Messgröße in ms, die zeigt, wie stark sich jeder Herzschlagabstand vom nächsten unterscheidet. Spiegelt vor allem die Vagusaktivität wider. Mehr zu RMSSD oder dem LF/HF-Verhältnis LF/HF-Verhältnis LF-Leistung geteilt durch HF-Leistung, ohne Einheit. Es sollte das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus abbilden, doch die Forschung zeigt, dass es das nicht verlässlich messen kann. Mehr zu LF/HF-Verhältnis war statistisch eindeutig. Die Studien unterschieden sich stark, und 9 der 11 hatten ein hohes Risiko für Verzerrungen.
Ein Zusammenhang ist also möglich, aber nicht gesichert, und diese Gruppenstudien sagen nichts darüber, wie sich die HRV einer einzelnen Person verhält. Eine deutsche Studie mit 24-Stunden-Aufzeichnungen bei Menschen mit Long COVID beschreibt unsere Seite zur HRV bei Erkrankung.
Was ein Wearable zeigen kann und was nicht
Wearables können Ihre Werte im Vergleich zu Ihrer eigenen Baseline Baseline Ihr eigenes übliches HRV-Niveau samt Schwankungsbreite, ermittelt aus Messungen über mehrere Wochen, immer unter gleichen Bedingungen. Der Vergleich mit der Baseline sagt mehr aus als der Vergleich mit anderen Menschen. Mehr zu Baseline verfolgen. In einer US-Studie mit Menschen, die Daten ihrer Smartwatch und ihres Fitnesstrackers teilten, hatten 234 COVID-19 (Radin u. a., 2021). Ihre Ruheherzfrequenz Ruheherzfrequenz Wie oft Ihr Herz pro Minute schlägt, wenn Sie völlig in Ruhe sind. Bei Erwachsenen liegt die Ruheherzfrequenz meist bei 60 bis 100 Schlägen pro Minute, bei gut trainierten Sportlerinnen und Sportlern niedriger. Mehr zu Ruheherzfrequenz sank zunächst und blieb dann durchschnittlich 79 Tage nach Beginn der Beschwerden über ihrem üblichen Niveau. Bei 32 Personen (etwa 14 %) lag sie mehr als 133 Tage lang um mehr als 5 Schläge pro Minute über der Baseline. Diese Studie verfolgte die Ruheherzfrequenz, nicht die HRV.
| Ein Wearable kann | Ein Wearable kann nicht |
|---|---|
| Ihre Ruheherzfrequenz und HRV im Vergleich zu Ihrer eigenen Baseline zeigen | Long COVID oder POTS diagnostizieren |
| Bei manchen Geräten zeigen, dass Ihre Herzfrequenz beim Aufstehen hochschnellt | Den Blutdruck im Stehen messen, der Teil des POTS-Tests ist |
| Ihnen eine Aufzeichnung für den Arzttermin liefern | Andere Ursachen ausschließen, etwa Schilddrüsenprobleme oder Medikamentenwirkungen |
| Grobe Verläufe über Wochen zeigen | Ihnen sagen, dass Sie genesen sind |
Die POTS-Diagnose wird ärztlich gestellt, und die Abklärung sucht auch nach begleitenden Erkrankungen und nach anderen, die POTS vortäuschen können (Vernino u. a., 2021). Der Konsens von 2015 empfiehlt zusätzliche Tests des autonomen Nervensystems nicht als Routineschritt (Sheldon u. a., 2015).
Genauer betrachtet Warum die HRV schlecht zu POTS passt
POTS wird dadurch definiert, wie Ihre Herzfrequenz beim Aufstehen reagiert. Die meisten Wearables geben die HRV in Ruhe an, oft im Schlaf, und verpassen damit den entscheidenden Moment. Die HRV sinkt außerdem bei schlechtem Schlaf, Erkrankung, Alkohol und vielen Medikamenten, und ein niedriger Wert verrät nicht, welche dieser Ursachen dahintersteckt.
Die eigenen Daten sinnvoll nutzen
- Vergleichen Sie mit Ihrer eigenen Baseline. Wenn Sie Daten aus der Zeit vor der Infektion haben, sind sie der beste Maßstab. Wie die beiden Signale zusammenhängen, steht unter HRV und Ruheherzfrequenz.
- Notieren Sie Beschwerden neben den Zahlen. Halten Sie Schwindel, Herzrasen, Erschöpfung und schlechte Tage fest. Ärztinnen und Ärzte stellen Diagnosen anhand der Beschwerden, und ein datiertes Protokoll hilft.
- Werten Sie die Rückkehr zur Baseline nicht als Heilung. Richten Sie sich danach, wie Sie sich fühlen und was Ihre Ärztin oder Ihr Arzt feststellt.
- Schauen Sie seltener hin, wenn die Daten Sie beunruhigen. Wochendurchschnitte reichen.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Erschöpfung, Atemnot, Denkprobleme oder Herzrasen Wochen nach einer Infektion anhalten. Tun Sie das auch, wenn Ihnen beim Aufstehen schwindlig oder benommen wird oder Sie das Gefühl haben, ohnmächtig zu werden, oder wenn Ihr Herz jedes Mal rast, sobald Sie aufstehen. Bringen Sie Ihr Beschwerdeprotokoll mit und, falls vorhanden, Ihren Herzfrequenzverlauf.
Holen Sie sich bei Brustschmerzen, Ohnmacht, Atemnot oder Verwirrtheit sofort notärztliche Hilfe, unabhängig davon, was Ihr Wearable anzeigt.